Bürgerforum beendet Wahlkampf.
In der vollbesetzten TSV-Gaststätte stand beim Bürgerforum am vergangenen Freitag nicht der Wahlkampf, sondern der Spaß im Vordergrund. Die Sommerhitkönigin 2013 Corinna Zollner aus Straßkirchen führte charmant mit Musik und Witz durch das Abendprogramm.
Oliver Kapser gab einen kurzen Rückblick über den Wahlkampf, der für alle Gruppierungen zweifelsfrei ähnlich anstrengend verlief. Er verwies auf die geleisteten Projekte im Gemeinderat, also das Tagesgeschäft, die jetzt im Wahlkampf verschiedene Gruppierungen alleine als ihre Errungenschaft hochpreisen. Zum Rathaus sagte Kapser, ihm sei es egal, ob ein neues Rathaus drei, fünf oder sieben Millionen kosten würde. „Wir brauchen überhaupt keins“ ist und bleibt seine einhellige Meinung.
Humorvoll schilderte er „den Beschluss aus der Staatskanzlei“, der besagt, dass bayernweit auf sämtlichen CSU-Wahlplakaten das Wort „kompetent“ durchgestrichen werden müssen. Die CSU in Tiefenbach meisterte diesen Auftrag hörig und sofort mittels schwarzer Kabelbinder.
Kapser sprach auch das künftige hauptamtliche Bürgermeisteramt an. Der noch amtierende Bürgermeister Georg Strasser habe sich wohl im Vorfeld eine schöne Beamten-Versorgung sichern wollen. Was die Bürger in Rage bringt, sei die Tatsache, dass Strasser selbst an der Abstimmung im Gemeinderat teilgenommen habe. Das spräche, so meinen viele Bürger, gegen Ehr und Anstand.
Ab 1. Mai gebe es, so Kapser, in Tiefenbach eine neue Formel für die Gemeindepolitik: Erfolg + Transparenz = Bürgerforum. Und er rief dazu auf, eine Bürgermeisterin zu wählen, die zu ihrem Wort steht sowie unabhängige Gemeinderäte der Liste 6.
Bürgermeisterkandidatin Birgit Gatz, die im Übrigen auch von der SPD unterstützt wird und an diesem Abend nicht im Land war, übermittelte ihre Grüße auf virtuellem Wege per Videobotschaft. Das Zeitalter der neuen Medien machts möglich.
Politik-Ereignisse und das Geschehen rund um den Wahlkampf wurden satirisch von „Hausmeister Jupp“ alias Thomas Krämer vorgetragen. Hintersinnig analysierte er an Farbbeispielen die verschiedenen Wahlplakate. Begehrt sei Königsblau und Rot, wobei die SPD mit ihren nur acht Kandidaten nicht plakatfüllend gewesen sei und lieber mit Broschüren aufwartete. Gelb als Signalfarbe mit Aufbruchstimmung und Erwachen zeigt sich als brave Gruppe ehrbarer Bürger vor dem 45-jährigen Tiefenbacher Rathaus und dem Schnee von gestern im Hintergrund. Die Farbe für die WGT könnte man leicht vom Namen des Vorsitzenden ableiten. Nicht vom Familiennamen, nein, vom Vornamen: Lenz, die Frühlingsfarbe grün sei doch besser als die Farbe „Wischi- Waschi“.
„Schwarz“ ist eine Empfindung, resümierte Jupp, denn physikalisch gesehen bedeute sie die Abstraktion aller Spektren des Lichts und somit die Abwesenheit von Farben.
Beim Studieren der Zeitung, Rubrik Sommerolympiade, fiel ihm die Meldung einer neuen Sportart ins Auge, die hieß: Zurückrudern! Mitarbeiter der Rechtsaufsicht des Landratsamtes, der Bürgermeister von Tiefenbach und dessen Geschaftsstellenleiter haben sich beim „Doppelvierer ohne Steuermann“ für den Endlauf qualifiziert.
„Braucht’s das, muss das sein? war die Devise des Hausmeisters, der sich gedanklich vorstellte, wenn er künftig 100 Stühle im neuen Bürgersaal des „Georg-Strasser-Gedächtnishauses“ her- und wegräumen solle. Wegen dieser Schufterei fühle er sich dann schon ausgebeutet, wenn er sein bescheidenes Gehalt mit dem des künftigen Bürgermeisters verglich. Bissig sinnierte er über guterhaltene, ausgediente Gemeindechefs, die im Lesegarten des Rathauses interessierten Bürgern musahlige Leserbriefe der Landshuter Zeitung vorlesen könnten.
Weiter rieb sich Hausmeister Jupp am Gemeinderats-Wirtshausstammtisch, an chinesischen Investoren für die Ortsmitte, rückläufigen Verkaufszahlen der örtlichen Backwarenverkaufsstellen aufgrund der Wahlkampfbelagerungen vor deren Eingangsbereichen und dem Weiberfaschings-Boykott der christlichen Aster Frauen, ausgerechnet gegenüber ihrer Stamm-Wirtschaft.
Der aktuelle Wetterbericht ließ Jupp sagen: Über Landshut lacht die Sonne und über Tiefenbach der ganze Landkreis.
Bis spät in die Nacht unterhielt Corinna Zollner mit ihren guterzählten Witzen, ihren fetzigen Liedern auf der Ziach und ihrer charmanten Art. Unterstützung erhielt sie zeitweise von Thomas Krämer und Harry Tremmel, die mit Löffeln musikalisch begleiteten.